Amazon Key – Wie weit geht Vertrauen?

Demnächst Tag der offenen Tür bei Prime-Mitgliedern?

Mit dem neuen Home-Service, Amazon-Key, verlangt Amazon vor allem eines: Vertrauen!

Und das wie noch kein anderes Online-Unternehmen zuvor.

Bildquelle: Amazon.com

Ab November 2017 will der Online-Konzern erstmals in den USA für seine Prime-Mitglieder, einen „In-Home-Service“ anbieten und somit auch in den Markt der Dienstleistungen und Überwachungskameras einsteigen. Mit Amazon Key soll es möglich sein, mit Hilfe eine digital vernetzten Türschlosses und Überwachungskameras, den Eintritt für Paketdienste oder Freunde zu gewähren, ohne dass man dafür zu Hause sein muss. Das 250-Dollar Amazon-Key Kit beinhaltet die Amazon Cloud Cam, Smart Locks und Keypad-, Convert-Smart Locks, sowie eine dazugehörige App für das Smartphone.

 

Wie wir Amazon unser Zuhause anvertrauen

Mit der Cloud-Cam kann man sein zu Hause 24 Stunden lang bewachen und das entweder live auf dem Smartphone oder zeitversetzt in einzelnen Clips, in 1080p Full HD. Mit der Nachtsichtfunktion ist dies auch im Dunkeln möglich. Die eingebaute Sprachfunktion ermöglicht, dass man sich von seinem Smartphone aus mit Personen in der Wohnung unterhalten kann. Dem Hund kann also gesagt werden, dass er aufhören soll zu bellen und dem faulen Sohn, dass er endlich seine Hausaufgaben machen soll. Das ganze Kit ist natürlich auch mit „Alexa“ verbunden.

Mit dem Smart Lock an der Haustür wird die Tür automatisch mit dem Smartphone oder der Smartwatch geöffnet. Gibt man bei seiner Prime-Bestellung an, dass man eine „in-home“-Lieferung erhalten möchte, erlaubt man dem Postboten das Paket im Haus am gewünschten Ort abzustellen. Sobald der Postbote eingetroffen ist, schaltet sich die Cloud Cam an und man erhält einen Hinweis auf dem Smartphone. Die Lieferung kann man live mitverfolgen. Die Plattform Amazon-Services ist unter anderem auch dazu da, um Hundesitter und Putzservices für sein Zuhause zu buchen. Außerdem ist es möglich ein Zeitfenster festzulegen , in dem für Freunde und Verwandte die Tür geöffnet wird. Vor Eintritt erfolgt ein Authentifizierungsprozess der Personen.

Ob und wann Amazon-Key nach Deutschland kommt ist noch unklar. Vorerst wird es das neue Dienstleistungs- und Überwachungsangebot nur in den USA geben. Anscheinend sind die meisten Amerikaner damit einverstanden, den fremden Pakteboten in ihr zu Hause zu lassen, solange sie dadurch nicht den Lieferzeitraum verpassen.

 

Hacker- und Postboten-Angriffe

Ist unser Vertrauen zu Amazon so groß, dass wir noch mehr Einblick in unsere Privatsphäre außerhalb vom Internet zulassen? Amazon versichert, dass seine Systeme sicher genug sind um Hacker-Angriffe zu vermeiden. Auf Grund der positiven Zahlen und der Position an der Spitze der Marktführer, fühlt sich das Unternehmen bereit für einen weitern Schritt Richtung Zukunft. Einen Schritt Richtung Amazon Key.

Doch in Sachen Sicherheit bekommen einige Kunden Bauchschmerzen, wenn es um Überwachungskameras und Eintritt in das eigene Heim geht. Was passiert wenn es doch einen Hacker-Angriff gibt? Ist Amazon dann für den Einbruch in die Privatsphäre von über Millionen von Häusern verantwortlich ist? Es wäre eine große Katastrophe.

Bildquelle: Amazon.com

Wie sicher sind Smart Locks?

Von 16 getesteten Smart Locks in Deutschland konnten 12 gehackt und Passwörter überschrieben werden. Millionen von Menschen wären auf einmal ausgeschlossen und Hacker könnten ein Lösegeld von den Wohnungseigentümern verlangen. Nicht nur die Gefahren im Internet werden größer. Auch vor oder in unserem Heim entstehen neue Gefahren. Mit der Cloud Cam soll dem Kunden die Sicherheit gegeben werden, Kontrolle über das Kaufgeschehen zu haben.

Wie können wir aber sicher sein, dass die Kamera auch wirklich aus ist, wenn sie aus sein soll? Amazon kennt uns und weiß wie wir leben. Es könnte den Einblick in unser Zuhause für personalisierte Werbeanzeigen noch mehr ausnutzen.

Wir können zwar das Kaufgeschehen überwachen, aber wir können nicht verhindern, dass der Postbote die Kamera abdeckt und unsere Privatsachen durchwühlt oder etwas klaut. Der Kunde muss darauf vertrauen, dass alles plangemäß abläuft.  Unsere Hausratversicherung wird Amazon wohl eher nicht übernehmen. Dafür spricht der Online-Konzern von einer „Happiness-Guarantee„. Über die App kann man angeben, wenn die Lieferung nicht zufriedenstellend war oder etwas beschädigt wurde. Dann nimmt der Kunden-Service Kontakt auf und versucht das Problem zu beheben. Wie das Problem gelöst werden soll bleibt fraglich.

Für alle Amazon Key-Nutzer ist wohl  das Vertrauen in den globalen Konzern, dessen Mitarbeiter und  Technik, Voraussetzung!

Eva Hartnagel
Der Autor
Eva Hartnagel
eva.hartnagel@diedigitale.io

Werkstudentin im Bereich Social Media Management und Kampagnenplanung. - „Das Digitale befindet sich im Zentrum unseres Lebens. Unser Ziel: ein professioneller Umgang!“