„Ich habe die Zukunft gesehen“

Interview mit Roland Fiege, Geschäftsführer der DIE DIGITALE GmbH,
über Digitale Transformation in Deutschland.

Roland Fiege, Online Marketer mit internationaler Erfahrung, entscheidet sich für Mannheim und die Rhein-Neckar-Region, gründet mit Schaller & Partner eine Spezialagentur für Digitale Transformation: diedigitale.io

 

Frage: Herr Fiege, einige kennen Sie vielleicht als Internet Experten aus dem Fernsehen (n-tv Telebörse, ARD Mittagsmagazin), viele jedoch noch nicht. Stellen Sie sich doch einmal kurz vor:

RF: Gerne. Ich bin in der Region aufgewachsen und habe nach unterschiedlichen Stationen in internationalen Rollen wieder zurück nach Mannheim gefunden, wo ich auch einst meinen MBA gemacht habe. Ich beschäftige mich seit 2009 mit der Messbarkeit von Online Kommunikation und habe dazu das Buch „Social Media Balanced Scorecard“ veröffentlicht, für einen US Softwareanbieter ein Social Analytics Projekt begleitet, das an Facebook verkauft wurde und Teil von Facebook Page Insights wurde. Zuletzt war ich für ein internationales Media Agentur Netzwerk überwiegend in London tätig. In diesen Rollen habe ich die Zukunft gesehen, ob in Silicon Valley, New York, London oder Dubai.

Seit über drei Jahren darf ich regelmäßig bei n-tv als Digitalexperte in die Glaskugel schauen und die aktuellen Entwicklungen bei Apple, Amazon, Google, Facebook & Co. kommentieren.

 

Frage: Was hat Sie bewogen, dieses „Jet Set“ Leben aufzugeben?

RF: Ausschlaggebend war sicherlich die Geburt unseres zweiten Kindes. Mit zwei kleinen Kindern verschieben sich die Prioritäten. Die Wickelkommode und das Kinderzimmer sind aktuell definitiv aufregender als die Business Klasse J. Es gab auch die Alternative nach London zu gehen – jedoch empfinde ich die Lebensqualität in der Rhein-Neckar-Region als geeigneter für eine junge Familie. Von den Lebenshaltungskosten und den noch unklaren Auswirkungen des Brexit einmal abgesehen. Wenn man jung ist will man raus in die weite Welt – das ist auch gut so. Ich bin für mich an einem Punkt, an dem ich die Vorzüge und Stärken unserer Region erst einmal begreife. Wirtschaftskraft, Infrastruktur, Kultur, Natur, Lebensart – es passt einfach alles.

 

Frage: Nun sind sie bei Schaller & Partner gelandet. Wie passt das denn zusammen.

RF: Die Frage habe ich mir anfänglich auch gestellt (lacht). S&P ist so ein typischer Hidden Champion im Südwesten Deutschlands. Inhabergeführt, grundsolide – und digitaler als man von Außen meint. Was ich an Schaller & Partner gleich von Anfang an gemocht habe: hier wird kein typisches Agentur Bullshit Bingo betrieben, sondern man sieht sich als verlässlicher Partner, als Dienstleister für den Kunden. Also weniger Selbstbeweihräucherung, weniger Ego, weniger Potemkinsche Dörfer und Blabla. Die oft sehr langfristigen Kundenbeziehungen beweisen, dass Kunden das sehr schätzen.

 

Frage: Wie kam es zu DIE DIGITALE GmbH? 

RF: Ganz einfach. Gleich in den ersten Tagen konnte ich durchaus interessante Beratungsprojekte und Kunden gewinnen, bei denen es weniger um „Werbung“ im klassischen Sinne geht, sondern um übergeordnete Themen. Oftmals tropft der Begriff Digitale Transformation von den Chefetagen runter in die Fachabteilungen. Und selten weiß man dort was KONKRET zu tun ist, welche Prozesse und Teile der Wertschöpfungskette überhaupt digitalisierbar sind und was den Unterschied zwischen Rationalisierung und Digitalisierung ausmacht. Das Ganze dann noch gekoppelt mit den rasanten Veränderungen im Mediennutzungsverhalten von uns allen, ausgelöst durch das Smartphone, Sozialen Netzwerken, schafft einen gewissen Veränderungsdruck.

 

Frage: Ist „Digitale Transformation“ nur ein hohler Begriff? Ist das nur unnötige Panikmache?

 RF: Natürlich wird der Begriff aktuell für alles Mögliche „missbraucht“. Es scheint, dass nach der „Cloud“, der medial vorhergesagten „Social Media Revolution“ (die in den meisten Branchen schlichtweg ausblieb), dem „Big Data“ Hype (aus möglichst „vielen“ Daten revolutionäre Erkenntnisse zu erzielen) nun „Digitale Transformation“ die höchste Aufmerksamkeit hat. Fakt ist, dass durch all die genannten Technologien und Kommunikationsformen eine sog. „Plattform Ökonomie“ entstanden ist, die vollkommen digital und hochgradig automatisiert bestehende Geschäftsmodelle kapert und auf den Kopf stellt. Historisch gesehen zählen iTunes (Apple und die Musikindustrie), Amazon (Handel) und Google (div. Industrien) hierzu. Aktuell sind airbnb (Gastgewerbe) und Uber (Taxigewerbe) Paradebeispiele, wie man mit einer gewissen Brutalität und genug Kapital eine Monopolisierungsstrategie verfolgen kann – und damit sehr erfolgreich ist. Mit unserem Grundverständnis einer sozialen Marktwirtschaft ist das nur schwer in Einklang zu bringen aber letztlich entscheiden aber die Verbraucher. Es ist knallharte Realität, dass heute mit verhältnismäßig kleinen Mitteln und in relativ kurzer Zeit ein etabliertes Geschäftsmodell in existentielle Bedrängnis kommen kann.

 

Frage: Wie reagieren Ihre Kunden, sofern Sie das Problem erkannt haben darauf und welchen Reifegrad finden Sie bei den meisten Kunden bzgl. Digitalisierung meist vor?

RF: Sehen Sie, genau das fängt es ja schon an. Bei den Kunden in der Kategorie „Angst“ wird die Digitalisierung wird zunächst einmal als Problem empfunden. Anstelle die Chancen zu sehen, die Ärmel hochzukrempeln und etwas BESSERES zu entwickeln, als das was aus Silicon Valley kommt, geht man zunächst in Abwehrhaltung. Aber Aussitzen hilft nicht.

Die nächste Stufe, die „Optimierer“, sind die Kunden, die die Chancen sehen bzgl. Rationalisierung durch Digitalisierung. Bei den meisten Unternehmen geht es dann darum, ganz nach deutschem Effizienzstreben, das bestehende Geschäftsmodell zu optimieren, Kosten zu sparen, intelligenter zu agieren, bestehende Produkte besser zu machen.

Das ist auch absolut nachvollziehbar und natürlich auch nicht falsch. Innovation durch Optimierung, das ist typisch Deutsch.

Die dritte Kategorie, für die wir mal den Begriff „Pioniere“ wählen, hat den Anspruch gänzlich NEUE Geschäftsmodelle zu kreieren. Hier sind es oftmals eher Startups, die mit frischen Gedanken und ohne der Last und Historie eines Konzern frei denken können. Den Startups fehlen wiederum andere Erfahrungen, so daß nicht jede tolle Idee dann auch gleich das nächste Google wird. Es ist also ein langer Atem, viel Kapital und viel Trial-and-error nötig. Facebook ist hier ein gutes Beispiel (mit exzellenter Monetarisierung), Elon Musk und Tesla ein weiteres (mit noch offenem Ausgang).

Hinzu kommt noch, dass Die Großen Vier (Amazon, Apple, Facebook, Google) ihre quasi Monopolstellungen massiv verteidigen und bei Konkurrenz nur zwei Antworten kennen: wir kaufen Euch oder wir zerstören Euch. Das kann man aktuell zwischen Facebook und SNAP! live beobachten. Das ist typisch Amerikanisch.

Quelle: https://www.instagram.com/p/BDelFURDo39/?taken-by=kendalljenner&hl=en

Kurzum: wir bedienen Unternehmen aller genannten Reifegrade. Die, die noch ganz am Anfang stehen wie auch diejenigen, die Ihr Marketing & Kommunikation von Grund auf digitalisieren & optimieren wollen.

 

Frage: Jetzt mal konkret. Wie setzen Sie Digitale Transformation bei Ihren Kunden um?

RF:  Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt tatsächlich noch Kunden, bei denen beginnt die Digitalisierung mit ersten eigenen Webseite. Kaum zu glauben – aber auch das gibt es selbst 2017 noch. Andere sind in den einzelnen Teilbereichen schon sehr gut und suchen nach Effizienz zwischen den Disziplinen, also die gesamte Kommunikation, sei es werblich oder im direkten Dialog mit Bestandskunden integrierter, messbarer und auch in Teilbereichen automatisierter zu machen. Also das, was schon seit Jahrzehnten in der Fertigung und auch in der betriebswirtschaftlichen Steuerung von Unternehmen Realität ist, endlich auch in Marketing & Kommunikation umzusetzen. Hierbei ist es besonders wichtig dem Kunden beizubringen, „Ja, Du kannst durch Automatisierung viel optimieren und viel Messen, aber ohne eine gute Story, ohne guten Content, ohne tolle Kreation hilft Dir das herzlich wenig.“ Eine Kombination aus genialem Content (Herz) und optimaler technischer Umsetzung (Hirn) ist notwendig. Soll heissen: Wir geben dem Kunden zunächst Orientierung und beraten, helfen dabei Themen einzuordnen und zu priorisieren. Dann machen wir uns parallel an Kreation und Umsetzung (Programmierung) sowie Media (-Planung) und Kampagnenumsetzung sowie and die fortlaufende Analyse und die Optimierung aller Prozesse und Kampagnen.

Roland Fiege
Der Autor
Roland Fiege
roland.fiege@diedigitale.io